Heimliches Nazi-Treffen dank antifaschistischer Mobilisierungen aufgedeckt

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Übersetzung und Bearbeitung des Artikels vom 11. Juli 2026

Traduction et adaptation en allemand de l’article du 11 juillet 2026.

Heimliches Nazi-Treffen dank antifaschistischer Mobilisierungen aufgedeckt

Am 11. Juli konnte dank einer antifaschistischen Mobilisierung eine heimliche Veranstaltung von Neonazis im Kanton Waadt verhindert werden. Die Gruppe Résistence helvétique (RH, wörtlich helvetischer Widerstand) hatte drei Redner, die allesamt aus antisemitistischen und holocaustverleugnenden Kreisen in Frankreich stammen, zu einem Vortrag eingeladen. Doch Antifaschist*innen konnten den Veranstaltungsort ausfindig machen und Druck auf seinen Besitzer ausüben – kein anderer als die Gemeinde Cossonay. Diese hatte selber nichts von der Veranstaltung gewusst, und hat Réstistance helvétique dazu aufgefordert, die Räumlichkeiten zu verlassen. Diese hatte keine andere Wahl, als dieser Aufforderung zu folgen.

Letzten Endes hat RH ihre Veranstaltung mitten im Wald in Saint-Cierges (VD) organisiert. Auf diese Weise gedemütigt, wird sich die Gruppe nicht so schnell von dieser Episode erholen.

Diese erfolgreiche Verhinderung einer faschistischen Veranstaltung in Genf oder im Waadt, ist die siebte seit 2024. Dieser Artikel geht auf die für den 11. Juli eingeladenen Redner und einige Hintergrundinformationen zu RH ein.

Wer waren die Redner?

Das Plakat der Veranstaltung kündigt drei Referenten an: Vincent Reynouard, Jérôme Bourbon et Henri de Fersan. Vincent Reynouard ist ein französischer Holocaustleugner, der den Großteil seiner Zeit damit verbringt historische Lügen über die Shoah und das Pétain-Regime von Vichy (welches er befürwortet) zu verbreiten. Er bezeichnet sich selbst als Nationalsozialist, ohne jedoch Sprecher irgendeiner Organisation zu sein. In der Vergangenheit war er jedoch Teil mehrerer Nazi-Organisationen, wie zum Beispiel der  “Parti nationaliste français et européen” (Französische und europäische nationalistische Partei, PNFE) in den 1990er Jahren. Heute ist er eine Art Selbstständiger der durch alle möglichen rechtsextremen Läden GRENOUILLE, von den Seiten der rechtsextremen Zeitung « Rivarol » bis zu den Veranstaltungen der Gruppe « Égalité et réconciliation » (Gleichheit und Versöhnung, E&R) um Alain Soral. 

Jérôme Bourbon (links) und Vincent Reynouard (Mitte) im Jahr 2024

In seinem Kampf für Verfälschung und Hass wird Reynouard unterstützt von Jérôme Bourbon, seit 2010 Herausgeber der erwähnten Zeitung « Rivarol ». Chronischen finanziellen Schwierigkeiten ausgesetzt, verbreitet dieses Hetzblatt Hass gegen Queere und Migrant*innen, aber auch Behauptungen von einer « jüdischen Verschwörung », die so gut wie jede Woche in ihren Artikeln auftaucht. Im vergangenen Jahr hat die französische Investigativzeitung Mediapart ein Video vom Festival « E&R » von 2023 veröffentlicht, in dem man Bourbon zu einem antisemitischen und den Holocaust verleugnenden Song feixen sieht (1). 

Screenshot aus dem Video, das Mediapart auf dem E&R-Festival 2023 veröffentlicht hat. Jérôme Bourbon ist rechts zu sehen.

Der dritte Referent ist Henri de Fersan (der mit bügerlichem Namen Christophe Picard heißt), ein weiterer Ideologe, der sich selbst als Faschist bezeichnet. Fersan hat unter anderem « The Turner Diaries » (Die Turner-Tagebücher) auf französisch übersetzt, ein dystopischer Roman des us-amerikanischen Neonazi-Schriftstellers William Luther Pierce, der die rechtsterroristische Strategie des « Führerlosen Widerstandes » inspiriert hat. 

Über die Entstehung von Résistance Helvétique (RH)

RH wurde 2015 gegründet, mit David Rouiller als Sprecher, Sohn eines wohlbekannten Bundesrichters. Er ist gut vernetzt, und verbreitet seinen ideologischen Ramsch mittlerweile in der Zeitschrift des französischen Neofaschisten Phillippe Baillet. 

Von links nach rechts: die Faschisten Steven Bissuel (GUD/Bastion social, Frankreich), Andrea Bonazza (Casapound, Italien), David Rouiller (Résistance helvétique, Schweiz) und Hervé van Laethem (Mouvement Nation, Belgien) im Jahr 2018 in Genf.

Dieses kleine Milieu hält regelmäßig Einzug in die Schweizer Medienlandschaft. 2025 hat Raphaël Pomey, Ex-Journalist bei « Le Matin » und nationalistischer Lobbyist bei Pro Suisse, ein lobendes Portrait von David Rouiller auf seinem Blog « Le Peuple » (Das Volk) veröffentlicht. Und 2018 war es die Journalistin Laure Lugon, die damals für die Zeitung « Le Temps » schrieb, die ein schmeichlerisches Portrai von Rouiller veröffentlichte. 

Artikel aus der Zeitung « Le Temps“ aus dem Jahr 2018. Es fällt auf, dass die Nazis als « Identitäre“ dargestellt werden – eine irreführende Bezeichnung.

RH bald außer Betrieb?

Seit die « Aquila » in Aigle (VD) schließen musste, hat RH keine eigenen Räumlichkeiten mehr. 2020 hatten Äußerungen von Henry de Lesquen bei einer Veranstaltung von RH über das « Judäovirus » zu öffentlichen Diskussionen geführt. Seit 2024 hat RH alles in allem nur zwei öffentliche Treffen organisiert, beide im Wallis, die letzte am 20. September 2025 im Kursraum des « fanfare de d’avenir » in Fully (1, route de Martigny, 1926 Fully). Die Redner waren Anatoly Livry, aus dem Umfeld der katholischen extremen Rechten um Civitas und Uli Windisch, ein zum pro-israelischen Faschisten gewordener emeritierter Genfer Soziologie-Professor. 

Die andere Konferenz hat am 11. Mai 2024 stattgefunden, ebenfalls mit Windisch, aber auch mit Oskar Freysinger (SVP) und dem Verleger Xavier Meystre (ebenfalls aus dem Umfeld der Civitas). Einige Tage vor der Veranstaltung hatte der Walliser Bote die Teilnahme Freysingers kritisiert, dieser hatte sich als Reaktion jedoch mit seiner Nähe zu RH gebrüstet, und sogar behauptet, die Gruppe hätte nichts Nazihaftes (Das Video ist im Internet zu finden). 2016 hatte bereits der Faschist und Prepper Piero San Giorgio einen Vortrag bei Résistance Helvétique gehalten (er ist neuerdings bei Kontre Kulture verlegt, dem Verlag von Egalité & Reconciliation).

Oskar Freysinger vor einer RH-Flagge, 11. Mai 2024

Was man über die letzten Jahre bemerken konnte, ist, dass RH als eine Art lokale Schnittstelle rechter Organisationen agierte und  Veranstaltungen von Civitas Schweiz genauso teilte wie die Posts von Clan Romand/Active Club Romandia, von den Impfgegnern des « Mouvement fédératif romand”/Themisia Gioia, vom Faschisten Colin Walks/Colin Aveline. RH zeichnet sich auch durch seine Nähe zu  Egalité et Reconciliation aus, zum Beispiel als deren Aktivisten  im März 2024 versuchten, eine faschistische Buchhandlung in Carouge (GE) zu eröffnen oder, sieben Monate später, eine Veranstaltung mit dem Schriftsteller Youssef Hindi (ebenfalls von E&R verlegt) zu organisieren. Beide Versuche konten durch antifaschistische Mobilisierungen vereitelt werden. 

Auf internationaler Ebene hat RH 2025 am White-Suprimacist-Veranstaltungen in Gallarate (Italien) teilgenommen, die unter anderem von den Strömungen um Martin Sellner und Manuel Corchia von der Jungen Tat organisiert wurden (und sich unter anderem durch das Streben nach einer männlichen « Nemesis » auszeichnen).

Schlussfolgerungen

Seit mindestens einem Jahrzehnt verfolgt die radikale Rechte eine Strategie der Normalisierung. RH ist keine Ausnahme von dieser Regel. Einerseits organiseren sie öffentliche, breit angelegte Aktionen, die Großmüttern gefallen sollen , wie zum Beispiel Wahlempfehlungen bei Abstimmungen oder Müllsammel-Aktionen in den Bergen. Andererseits organisieren sie heimliche Veranstaltungen mit Personen wie Reynouard, Bourbon und Konsorten, Redner zu denen sie sich nicht öffentlich bekennen wollen. Heute fällt diese Maske! RH sind und waren schon immer Nazis (2). 

Diese Konferenz, hätte, wenn sie denn stattgefunden hätte, entmenschlichende Inhalte und Aufrufe zu Hass und Hetze verbreitet. Diese wiederum hätten sich anschließend in Taten niedergeschlagen, wie wir sie beim jüngsten Angriff am Stadtrand von Lausanne, oder beim feministischen Streik in Lausanne vor zwei Jahren erlebt haben. 

Kein Platz für faschistische Veranstaltungen, weder in Lausanne, noch in Cossonay oder woanders! 

Assemblée antifasciste Genève & AFA-Lausanne

Fußnoten: 

[1] “Dans les arrière-cuisines d’Alain Soral : des bataillons de négationnistes et le directeur de cabinet de Bardella”, Mediapart, 2025 https://www.mediapart.fr/journal/politique/131225/dans-les-arriere-cuisines-d-alain-soral-des-bataillons-de-negationnistes-et-le-directeur-de-cabinet-de

[2] Das Réseau antifasciste Genève (RAGE) hat genau das schon 2018 geschrieben: https://rage.noblogs.org/post/2018/01/13/resistance-helvetique-un-mouvement-politique-pacifique/

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